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Wie ich die Pille nahm, absetzte und zu mir selbst fand - mein Weg zu ganzheitlicher Weiblichkeit

Aktualisiert: 30. Mai


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Wie ich die Pille nahm, absetzte und zu mir selbst fand - Mein Weg zu ganzheitlicher Weiblichkeit


Ich war 16, als ich begann, die Pille zu nehmen.

Es fühlte sich aufregend an. Endlich war ich auch so weit.

Meine beste Freundin nahm sie bereits zwei Jahre lang. Sie hatte schon einen festen Freund.


Ich hatte einen Jungen kennengelernt, den ich ehrlich mochte und mit dem ich mir vorstellen konnte, weiter als „nur rumknutschen“ zu gehen.

Die Pille zu nehmen, schien ein naheliegender Schritt.

Also ging ich zu meiner Frauenärztin (meine beste Freundin hatte sie mir empfohlen) und fragte nach einem Rezept.

Sie klärte mich weder über die genaue Wirkungsweise der Pille noch über alternative Verhütungsmethoden auf, und ich fragte auch nicht nach.

Sie meinte nur, dass diese Pille eine leichte und gut verträgliche sei, und stellte mir das Rezept aus. Fertig.


Ich traute mich erst nicht, es einzulösen, schämte mich etwas, damit in eine Apotheke zu gehen.

Doch irgendwann tat ich es doch.

Ich nahm die Pille still und gewissenhaft, immer von einer kleinen Angst begleitet, was passieren könnte, wenn ich sie mal vergessen würde, obwohl wir immer auch noch ein Kondom verwendeten.


Physisch bemerkte ich keine sonderlichen Veränderungen. Ich nahm weder zu noch ab und bekam auch keine Pickel.

Also alles okay.

Rückblickend erkenne ich, dass die Pille mich eher subtil psychisch belastet hat.

Ich fühlte mich oft müde, lustlos und nicht so ganz mit mir selbst verbunden, war jedoch zu sehr mit meinem Teenager-Leben beschäftigt, um das weiter zu hinterfragen.


Ich wusste nicht wirklich, dass ich mit künstlichen Hormonen meinen natürlichen Zyklus lahmlegte und jeden Monat nur eine Scheinblutung durch das kurze Aussetzen der Pille hatte.


Mein zarter, junger Zyklus, der gerade erst vor etwas mehr als einem Jahr erwacht war.

Mit 15½ hatte ich endlich meine erste Periode bekommen. Darauf hatte ich sehnlichst gewartet, denn alle anderen Mädchen in meiner Klasse und im Freundeskreis hatten ihre schon.

Ich war die Letzte und hatte deshalb mehr als einmal Tränen über meinem Tagebuch vergossen, in dem ich mich fragte, was mit mir nicht stimme.


Ohne es besser zu wissen oder zu verstehen, sabotierte ich also ein Jahr später meinen Körper und seinen heranwachsenden Rhythmus.

Und die Gesellschaft unterstützte mich darin. Die Krankenkasse bezahlte es sogar.


~


Ich nahm die Pille vier Jahre lang.

Gegen Ende nur noch aus Gewohnheit. Meistens habe ich sie nicht gebraucht.


Während meiner Studienzeit begann ich endlich, mich reflektierter mit meinem eigenen Körper und kritischer mit der Pille zu befassen.


Ich begegnete anderen jungen Frauen, denen es ähnlich ging. Dieser Austausch inspirierte und ermutigte mich, meiner inneren Stimme zu folgen, die mir schon eine ganze Weile zurief: „Hör auf, das zu nehmen, das brauchst du nicht.“


Im Februar 2018 war es dann so weit.

Ich setzte die Pille ab, und es fühlte sich so tief befreiend an.

Es war, als löse sich ein trüber Schleier von mir und meiner inneren Wahrnehmung, von dem ich vorher gar nicht wusste, dass er da war. Es schien mir vorher einfach normal.


Doch nun fühlte ich mich selbst.

Tief, wach, lebendig und klar.

Als hätte sich ein Schalter in mir umgelegt und meine intuitiven, hochsensiblen, spirituellen Sinne aktiviert.

Ich begann täglich Yoga-Asanas zu praktizieren und intuitiv zu meditieren.

So entwickelte ich allmählich meine eigene morgendliche Selbstliebe-Practice.


Ich begann, Bücher zu lesen wie „Die Wolfsfrau“, „Die Landschaft der Göttin“, „Chakras“ …


Und ich wartete sehnsüchtig und etwas ängstlich auf meine erste richtige Periode. Die ließ sich Zeit (wie beim ersten Mal auch).


~


Etwa sechs Monate nach dem Absetzen der Pille blutete ich. Wie war ich froh!

Dann dauerte es weitere sechs Monate bis zur nächsten und wieder.

Freundinnen, die ebenfalls die Pille abgesetzt hatten, schienen ihre Periode ganz regelmäßig zu bekommen.

Als ich mit meiner Frauenärztin darüber sprach, meinte diese nur, das sei bei mir nicht ungewöhnlich, sondern normal, und alles in Ordnung.

Fertig. Keine weitere Aufklärung oder Thematisierung von Ernährung, Psyche, Umwelteinflüssen, natürlichen Kräutern zur Unterstützung oder Ähnliches … und ich fragte auch nicht.


Also wartete ich weiter und übte mich darin, mir selbst gutzutun und meine Intuition zu erkunden.

Allmählich wurden die Abstände kürzer.

Rückblickend erkenne ich diese Zeit von etwa drei Jahren als eine Art Initiationsphase an.


~


Wie damals mit 15 sehnte ich mich nach meiner Menstruation, doch begann ich nun allmählich, die Weisheit und die Kraft meines eigenen Körpers und Zyklus zu erahnen und Stück für Stück näher kennenzulernen.

Was war es denn eigentlich, wonach ich mich sehnte, und warum?


Ich lernte, meinem weiblichen Körper zu vertrauen und verständnisvoll mit ihr und mir umzugehen.

Yoga und die Orientierung am Mondzyklus halfen mir dabei, einen Rhythmus für mich zu finden, während mein eigener innerer Rhythmus noch nicht wieder präsent war.


Nach etwas mehr als zwei Jahren nach dem Absetzen der Pille hatte ich zum ersten Mal wieder einen relativ regelmäßigen Zyklus von 5–6 Wochen.

Jedes Mal fühlte es sich wie ein heiliges Ereignis an. (Jedoch verstand ich es noch nicht so ganz, mich in der Phase meiner Menstruation auszuruhen.)


Seit ich mit meinem Partner zusammenlebte, verkürzte sich mein Zyklus auf vier Wochen. Während unserer ersten Fernbeziehungsphase von sieben Monaten (ich in Deutschland, er in Indien) blieb meine Periode wieder komplett aus.

Kaum war ich wieder bei ihm in Indien, blutete ich wieder monatlich.


~


So begann ich, immer weiter -praktisch am eigenen Leib- zu lernen und zu verstehen, dass meine Gebärmutter und mein ganzer Körper ein intelligentes, feinfühliges Wesen ist und durch den Zyklus mit mir kommuniziert. Es liegt bei mir, ob ich zuhöre oder nicht.


Dann wurde ich schwanger. Nicht geplant, aber sehr willkommen. Die Erfahrungen von Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Muttersein prägen und vertiefen die Beziehung, das Vertrauen und die Liebe zu meinem weiblichen Körper.

Elf Monate nach der Geburt unserer Tochter bekam ich wieder zum ersten Mal meine Periode. Seitdem ist ein regelmäßiger, schmerzfreier Zyklus von 28–31 Tagen (meistens).


Durch meine eigenen Erfahrungen und deren Reflexion ist das Thema Zyklusbewusstsein und Zyklusachtsamkeit eines meiner Herzensthemen.


Ja, ich bin mir meiner Privilegien bewusst. Aufgewachsen in einem Land und einer Zeit, in der gute schulmedizinische Versorgung Standard ist und Kosten sogar von der Gesellschaft übernommen werden.

In einem Umfeld zu leben, das einer jungen, heranwachsenden Frau die Freiheit zusteht, sich sexuell auszuprobieren und auszuleben, ohne das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft.

Zugang zu Bildung und Wissen zu haben, um mich aufzuklären.


Dennoch, manchmal empfinde ich Trauer und Wut darüber, dass ich als junges Mädchen nicht bewusst in diese neue Lebensphase initiiert wurde und so mit vielen unausgesprochenen Fragen allein war oder nicht einmal wusste, dass es diese Fragen gibt.


Durch diese Unwissenheit und den Mangel an Heiligkeit gegenüber dem Thema weiblicher Zyklus beraubte ich mich selbst der Erfahrung, meinen eigenen natürlichen Rhythmus in seinem Erwachen zu beobachten und kennenzulernen, mich selbst darin kennenzulernen und der Weisheit meines Körpers zu vertrauen.


Stattdessen eiferte ich, ohne es recht zu wissen, einem Trend nach, der der Weisheit des weiblichen Körpers größtenteils misstraut und sie zu kontrollieren versucht.


~


Ich holte meine Initiation später in gewisser Weise zweimal nach.

Einmal nach dem Absetzen der Pille und dann, nachdem ich Mutter wurde.

Ein jahrelanger Prozess und eine fortwährende Reise.


Ich bin dankbar für alles, was ich auf meinem Weg lernen durfte und weiter lerne.


Und ich wünsche mir für meine Tochter, dass sie diese Umwege nicht gehen muss, um zu lernen, ihrem Körper und Zyklus zu vertrauen.



Liebe zu dir,

Pauline Käthe

 
 
 

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